Aspekte der Geschichte der Kemnater Kirchengemeinde

Wie in allen Fildergemeinden, so ist auch in Kemnat kirchliches Leben bis ins Hohe Mittelalter nachweisbar. Die erste Urkunde in der die Gemeinde Kemnat erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1236. Der damalige Geistliche  hatte als Dekan des Esslinger Kirchenbezirks eine Schutzfunktion gegenüber dem Kloster Denkendorf übertragen bekommen und hatte somit überörtliche Aufgaben wahrzunehmen. Vom kirchlichen Leben der damaligen Zeit wissen wir wenig. Allenfalls die Namen der Geistlichen sowie Rechtsgeschäfte  sind überliefert. Auch über die Gründung der ersten Kirche ist nichts bekannt.  Allerdings lässt sich auf Grund gesicherter Indizien sagen, dass um 1150 eine Kirche existierte, die im Städtekrieg von 1449 zerstört wurde. Der spätgotische Neubau erfuhr im Lauf der Jahrhunderte so viele Veränderungen, dass 1961 ein Abriss unvermeidlich wurde. Der heutige Neubau entstand in den Jahren 1962/63. Nur wenige Bauteile konnten von den Vorgängerkirchen übernommen werden. Trotz Zerstörung, Abriss und Wiederaufbau blieb der Name immer erhalten: Bartholomäus-Kirche. Er war für die Kirchengemeinde das verbindende Element über die Jahrhunderte hinweg.

Mit der Einführung der Reformation 1534 in Württemberg  beginnt auch in Kemnat die bis heute anhaltende evangelische Gemeindetradition. Der erste evangelische Geistliche war ein ehemaliger Denkendorfer Mönch, Wolfgang  Kunig, der von 1536 bis 1549/50 hier wirkte.        

In der langen Reihe seiner 40 Nachfolger waren mehrere bedeutende Pfarrerpersönlichkeiten, die das Leben und den Charakter der hiesigen Gemeinde geprägt haben. 

Das Kemnater Gemeindeleben war Teil des in ganz Württemberg neu formierten, weitgehend von der evangelischen Landeskirche geprägten öffentlichen Lebens. Mit den weltlichen Obrigkeiten war der Pfarrer dafür zuständig über Sitte und Moral zu  wachen. So prägten der sonntägliche Pflichtbesuch des Gottesdienstes, sowie die Bet- und Katechismusstunden den Tages-, Wochen- und Jahresrhythmus. Die konfessionelle Homogenität des Dorfes kam diesen kirchlichen Regeln voll entgegen. Sie waren in Kemnat noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein bestimmend. Die Visitationen des zuständigen Dekanats hatten daher am Kemnater Kirchengemeindeleben wenig auszusetzen. 

Die pietistischen Strömungen von denen Württemberg im 18. Jh. erfasst wurde, brachten gelegentlich etwas Unruhe in das geordnete Gemeindeleben. Aber diese religiöse Erneuerungsbewegung konnte ohne Brüche integriert werden. Feste pietistische Gemeinschaften wurden hier erst zu Beginn des 19. Jh. gegründet.

Dass die Kemnater Gemeinde das Glück hatte, eine Reihe tüchtiger Pfarrer als geistliche Hirten zu bekommen, war u.a. dem Umstand zu verdanken, dass Kemnat als Beförderungsstelle für im Dienst bewährte Pfarrer galt. Die meisten von ihnen besaßen  einen akademischen Grad. Einige von ihnen übernahmen nach ihrer Kemnater Amtszeit eine Dekanatsstelle. In der Neuzeit entschieden sich, beflügelt durch die kirchliche Jugendarbeit, eine Reihe junger Kemnater später für den Pfarrberuf.

Die zentrale Schaltstelle für alle kirchengemeindlichen Entscheidungen war auch in Kemnat der Kirchengemeinderat unter der Leitung des jeweiligen Pfarrers. Besonders in den letzten Jahrzehnten war er besonders verantwortlich für alle die Kirchengemeinde betreffenden wichtigen Maßnahmen. Dazu zählten der Neubau der Kirche, der Neubau des Gemeindesaales, der Neubau des Kindergartengebäudes, der Ankauf eines Festplatzes am Rossart, die Gestaltung des Kirchplatzes, die Renovierung des Pfarrhauses sowie die Organisation einer Vielzahl von Gemeindeaktivitäten. Dadurch ist es gelungen, das Kirchengemeindeleben in das Gesamtgemeindeleben fest mit einzubinden. Nicht zuletzt zählen dazu die ökumenischen Kontakte zu der katholischen Schwesterkirche. Dieses Zusammenleben und Zusammenwachsen der weltlichen und konfessionellen Gemeinschaften wird auch weiterhin das Anliegen des Gemeinderates und der Kirchenleitung sein.

 Andreas Papendieck