Chag sameach le Pessach

Leider ist das Papier des physischen Gemeindebriefes begrenzt, weshalb das Redaktionsteam manche Artikel kürzen muss. So leider auch bei diesen Erfahrungsbericht über die Osterzeit in Israel von Leonie Beutel. Umso mehr freuen wir uns, dass Sie hier auf der Homepage die Möglichkeit haben, diesen Artikel in voller Länge nachzulesen.

 

Ostern in Israel, der Traum eines jeden Christen – was verbinden Sie, was verbindest du mit dieser Vorstellung? Welche Erwartungen, welche Sehnsüchte weckt diese Idee in uns? Welch neue Erkenntnis, ja welche Glaubensstärkung erhoffen wir uns insgeheim von einer solchen Reise?

Die Vorbereitungen

Für unsere Familie gehört die Osterzeit in Israel seit 2017 zum regulären „Alltag“ im gelobten Land, wie wir sie erleben und welche Traditionen wir kennenlernen durften, davon möchte ich Ihnen berichten.

Die Osterzeit fällt traditionell in die Zeit eines der wichtigsten jüdischen Feste, dem einwöchigen Pessach-Fest, das den Alltag und die Mentalität der Einheimischen stark prägt und Jahr für Jahr die Wochen vor Ostern bestimmt. Pessach erinnert an den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten insbesondere das „Verschonen“ der israelischen Erstgeborenen (vgl. Ex 12,27), es wird als große Familienzusammenkunft vom 15. – 21. Nisan (28.03. – 04.04.2021) mit einem rituellen Seder (Abendessen) gefeiert. Mit großer Sorgfalt bereit man sich in der Woche vor dem Abend des 14. Nisan auf Pessach vor indem alle gesäuerten Lebensmittel aus Haus und Auto verkauft/verschenkt oder weggeschlossen werden, Glasgeschirr drei Tage in Wasser eingeweicht und metallenen Küchengegenstände abgekocht werden, alles andere (Plastik, Holz, Porzellan) darf nicht verwendet werden. Auch die Supermärkte wandeln sich in jenen Wochen in Geisterläden, da plötzlich ganze Regalreihen verhängt werden, da weder Getreide noch Produkte, die Getreide oder Hefe enthalten verkauft werden dürfen. Unsere Kinder entdecken jedes Jahr aufs Neue ihre Liebe zu Reiswaffeln, da alles andere Brot – sofern nicht eingefroren oder selbst gebacken – verschwunden ist. Auch Restaurants führen in dieser Zeit andere Produkte auf ihren Speisekarten, da die heißbegehrten Pizzen und Pastagerichte für etwa anderthalb Wochen aus dem Programm genommen werden.

© Privat

Pessach - Die Kaffeemaschine streikt

Will man dagegen Ostern im christlichen Sinne feiern führen alle Wege nach Jerusalem…

Palmsonntag

Am Sonntag vor Ostern beginnen die österlichen Feierlichkeiten mit einer Menschenprozession mit bis zu 10.000 Teilnehmern auf dem Ölberg, es wird gejubelt, gesungen und natürlich mit Palmwedeln geschwungen – ein grandioses Schauspiel.

Gründonnerstag

Gründonnerstag machen wir uns als Familie in der Regel auf, um gemeinsam mit Palästinensern, Schweden, Finnen, Dänen, Engländern und Schotten in unserer Heimatgemeinde in der Altstadt Gottesdienst zu feiern (15.30 Uhr, Erlöserkirche).

Karfreitag

Wer am Karfreitag um 6.30 Uhr schon wach ist, kann an der alljährlichen Prozession über die Via Dolorosa teilnehmen, Tausende Pilger tragen hölzerne Kreuze und erinnern sich an den verschiedenen Stationen an den Leidensweg Jesu. Besinnlicher und ruhiger geht es dagegen nachmittags um 15.00 Uhr bei der musikalischen Andacht zur Todesstunde Jesu in der Erlöserkirche zu, die mich immer ein wenig sehnsüchtig an unsere Tenebrae-Aufführungen in Kemnat zurückdenken lässt.

Ostersonntag & Ostermontag

Ein Highlight ist das Gartengrab in Jerusalem, eine freikirchliche Stätte, die als wunderschön gestalteter Garten mit einem Grab, nicht den Anspruch erhebt, Ort des Geschehens zu sein, aber es besser als die überfüllte Altstadt ermöglicht zur Ruhe zu kommen und sich auf das Osterwunder zu besinnen. Wobei an den Ostertagen auch dort zahllose Menschen zusammenkommen und voller Freude und Dankbarkeit die Auferstehung Jesu feiern.

Für die Kinder enden die Osterfeierlichkeiten in Jerusalem alljährlich mit dem Kinderostern auf dem Ölberg, in der Himmelfahrtskirche können sie basteln, spielen und kindgerecht erklärt bekommen, welches Wunder vor mehr als 2000 Jahren an diesem Ort geschah.

© Privat

Ostergottesdienst am Gartengrab

Es gäbe noch so vieles mehr zu erzählen und berichten, von Pilgern, die sich traditionell zu Ostern ein Kreuz eintätowieren lassen, von Osternestern, die nach einer getreidefreien Woche besonders gut schmecken, von Sonne und Regen und der Eierknappheit zu Pessach 2020 unter Pandemie und Lockdown Bedingungen, vom Osterfeuer, das Jahr um Jahr sich wie durch ein Wunder in der Grabeskirche selbst entzündet….

© Privat

Kreuztattoo

 

Ostern in Jerusalem ist bunt, laut und unglaublich vielfältig – falls es Ihnen möglich ist, machen Sie sich auf und sehen sie selbst!

© Privat

Das Notre Dame, Jerusalem

 

Leonie Beutel