19.05.20

Gedanke der Woche: Reden mit unserem Vater

Am Sonntag war das Vater unser Predigttext im Gottesdienst, am Freitag davor ist mein Vater bei einer Operation am Herz, die sehr überraschend kam, gestorben. Ich bin dankbar, dass Pfarrer Gehring mich kurzfristig vertreten hat, denn ich wusste: Über diesen Text würde ich nicht predigen können ohne innerlich sehr berührt zu sein oder gar die Fassung zu verlieren. Denn es ist ja so: Unser Verhältnis zu Gott hat immer auch etwas mit unserem Verhältnis zu unserem irdischen Vater zu tun. Ich habe meinen Vater wegen der Kontaktbeschränkungen lange nicht gesehen, aber wir haben viel telefoniert. Denn fast jeden Sonntag haben sich meine Eltern in den Livestream eingewählt und dann gab es immer schöne Gespräche mit meinem Vater darüber, wo er mir immer positives Feedback gab. Viele Erinnerungen an früher kommen jetzt bei mir hoch, was wir zusammen erlebt haben, was ich meinem Vater verdanke. Auch Schmerzhaftes, Dinge, die offen geblieben sind, das gehört wohl dazu. Denn alle Väter dieser Welt sind irdische Väter und keine himmlischen.
Der Wochenspruch am Sonntag Rogate (lateinisch „betet“) lautete: "GELOBT SEI GOTT, DER MEIN GEBET NICHT VERWIRFT NOCH SEINE GÜTE VON MIR WENDET." Ps 66,20
Es ist gut, dass wir uns gerade in schwierigen Zeiten im Gebet an Gott wenden dürfen und auf seine Güte hoffen, die jeden Morgen neu ist. Das gilt auch in Zeiten, wo man sich fragt, wie man in nächster Zeit alles schaffen soll, ob die Welt jetzt nicht einen Moment still stehen könnte, ob der Schmerz irgendwann einfach weg ist. Ich spüre, wie wichtig es ist, dass andere einen begleiten in dieser Zeit, wie gut es tut, wenn andere signalisieren: Wir fühlen mit dir, wir unterstützen dich. Danke für jede Anteilnahme, die mich schon bis heute aus der Gemeinde erreicht hat oder noch erreichen wird. Einen Vater hat nicht mehr jeder auf Erden, aber unser himmlischer Vater hat ein offenes Ohr für uns. Bei diesem Vater weiß ich meinen Vater gut aufgehoben.