23.06.20

Gedanke der Woche: Einladung für gestresste Zeitgenossen

Am Sonntag war Gemeindefest. Alle waren eingeladen, Gastgeber hatten sich vorbereitet. Aber nach einer gut gefüllten Kirche und einem tollen Platzkonzert des Posaunenchors kamen am Nachmittag nur wenige. Schade. Vielleicht ist die Angst noch zu groß, sich wieder unter Leute zu begeben, obwohl wir alles hygienegerecht angelegt hatten beim „Gemeindefest to go“? Trotzdem war es für alle, die dabei waren, ein schönes Erlebnis, das Lust gemacht hat auf mehr.

Die Bibel kennt das, dass jemand einlädt und viele keine Zeit haben oder sich keine nehmen. Das Neue Testament ist voll von Einladungen zum Reich Gottes, dabeizusein am Tisch Gottes. Im Wochenspruch richtet sich die Einladung besonders an die Belasteten: "KOMMT HER ZU MIR, ALLE, DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEID; ICH WILL EUCH ERQUICKEN." Matthäus 11,28

Viele sagen, dass die Gewaltexzesse von Stuttgart auch mit dem Corona-Stress zu tun haben, mit der Ungewissheit, wann wieder ein normales Leben möglich sein wird. Mit dem fehlenden Ausgleich durch Gemeinschaft, Spaß und Party, den man sonst am Wochenende erleben kann. Es sind Menschen, die im Leben zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, die zu selten eingeladen sind, die auf diese Weise auf sich aufmerksam machen – so vermute ich es zumindest.
Jesus hat eine einladende Lebenshaltung vorgelebt, hat versucht, die Schwachen und Ausgegrenzten zu integrieren und gerade ihnen die Einladung in Gottes Reich nahe zu bringen. Dies kommt wunderbar in einem Text von Lothar Zenetti zum Ausdruck, den ich auch in der Predigt zitiert habe:

Lothar Zenetti: Mit ausgebreiteten Armen

Der, von dem ich erzählen will,
wurde geboren in Armut und starb,
noch jung, mit ausgebreiteten Armen
am Kreuz einen schrecklichen Tod.

Warum, worin bestand seine Schuld?
Oder anders gefragt: wem war er im Weg?
Er raubte kein Geld, kein Land, stürzte
keinen vom Thron, zog nicht in den Krieg,
schrieb nicht einmal Bücher.

Der Ort, wo er aufwuchs wie andere auch,
war ohne Bedeutung: ein Nest in den Bergen
am Rande des riesigen römischen Reiches.
Er lernte ein Handwerk, zimmerte Möbel,
bis er die Werkstatt verließ und sein Dorf
und umherzog im Land, das Wort auszusäen.

Er sah, wie man weiß, weder Rom noch Athen.
Aber er sah seinen Vater im Himmel und
sah auf der Erde die Menschen im Dunkel
und lehrte sie sehn mit anderen Augen.
Er heilte die Kranken, rief Tote ins Leben.
So zog er umher und warb um die Herzen
und sprach von der Liebe, dem
Königreich Gottes.

Er starb, wie er lebte,
und lebt, wie er starb:
mit ausgebreiteten Armen.

|| Eine gesegnete Woche wünscht Euch und Ihnen Pfarrer Thomas Ebinger