28.07.20

Gedanke der Woche: Gastfreundschaft üben

Der vergangene Sonntag stand ganz unter der Überschrift „Gastfreundschaft“. Im Predigttext wurden wir ermahnt, Gäste einzuladen, weil manche so schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt haben (Hebräer 13). Der Wochenspruch sagt uns, wie gastfreundlich Gott mit uns umgeht:
"SO SEID IHR NUN NICHT MEHR GÄSTE UND FREMDLINGE, SONDERN MITBÜRGER DER HEILIGEN UND GOTTES HAUSGENOSSEN." (Epheser 2,19)
Und am Nachmittag haben wir bei Kirche kunterbunt die Geschichte von Abraham und Sarah gehört, bei denen Gott in Gestalt von drei Männern zu Besuch war.
Interessant war für mich, was die Grundbedeutung von Gastfreundschaft im Griechischen ist: Fremdenliebe, Xenophilia. Manche kennen vielleicht das Fremdwort Xenophobie, die Furcht vor dem Fremden. Das ist die natürliche Einstellung von uns Menschen, erst einmal vorsichtig zu sein bei allem Fremden, bei Menschen, die anders aussehen, einen anderen Dialekt oder gar eine andere Sprache sprechen. Man weiß ja nicht, welche Sitten und Gebräuche sie haben.
Und da erinnert uns die Bibel an die schöne orientalische Gastfreundschaft. Weil jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, sollen wir jedem offen entgegentreten und ihn mit Würde behandeln und dafür sorgen, dass er gut unterkommt. Wenn jetzt die Reisezeit beginnt – und trotz der Pandemie höre ich von vielen die verreisen, wir tun das auch – dann ist das eine schöne Übung, Fremdes kennen zu lernen, sich von anderen Kulturen inspirieren zu lassen, einmal woanders einen Gottesdienst mitzuerleben oder ungewöhnliche Kirchen zu entdecken. Reisen ist die schönste Form, wie man die angeborene Fremdenfeindlichkeit überwinden kann. Und wenn man dann wieder heimkommt, weiß man, was man vermisst hat.
Ich wünsche Euch und Ihnen eine erholsame und behütete Urlaubszeit! Pfarrer Thomas Ebinger