Gedanke der Woche: Singt oder summt Gott ein neues Lied

Es war ein berührender Gottesdienst am Sonntag: Zum ersten mal nach vielen Wochen Gottesdienstbesuchsverbot war es zum ersten Mal wieder erlaubt, den Gottesdienst zu besuchen. Der Kirchengemeinderat hat ein detailliertes Infektionsschutzkonzept erarbeitet und mit mehreren Ordner umgesetzt. Und dann lautet der Titel des Gottesdienstes „Kantate“ – auf Deutsch: „Singt“. Und der Wochenspruch fordert dazu auf, auch noch neue Lieder zu singen, die gar nicht jeder so gern mag: „SINGET DEM HERRN EIN NEUES LIED, DENN ER TUT WUNDER.“ Psalm 98,1 Und dann darf die Gemeinde gar nicht singen, weil das Viren verbreitet, und man muss als Pfarrer aufpassen, nicht zum Singen zu ermuntern sondern höchstens zum Mitsummen.
Ehrlich gesagt schlägt mir die Corona-Krise allmählich immer mehr aufs Gemüt. Was man als Kurzstrecke noch durchhalten konnte, wird auf der Langstrecke zur Dauerfrustration. Vielleicht sind es gerade die Ankündigungen von Lockerungen, die erst Hoffnung machen. Und dann darf man das meiste, was schön ist, eben doch nicht: Sich in größerer Runde mit Freunden treffen oder einen runden Geburtstag feiern, tolle Konzerte hören, in ein schönes Restaurant gehen.
Nach dem Gottesdienst ging mir noch lang der Paul-Gerhard-Choral durch den Kopf: „Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön, dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn“ … Wir haben im Gottesdienst auch die schöne Strophe 5 vorgesungen bekommen, die wunderbar in unsere Zeit passt: „Er weiß viel tausend Weisen, / zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen / zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen / oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, / die reißt Er aus der Qual.“
Was macht die Faszination des Singens zur Ehre Gottes aus? Im Predigttext aus 2. Chronik 5 war das wunderbar beschrieben: Wenn viele Stimmen zusammenkommen und es klingt als wäre es eine Stimme, dann gibt es diesen Gänsehautmoment. Es tut gut beim Singen zu spüren, dass wir nicht allein sind, sondern einstimmen dürfen in den großen Chor derer, die sich auf Gott ausrichten und ihm für ihr Leben danken. Und wo man das tun will – zu Hause vor dem Livestream oder in der Kirche in Gemeinschaft mit anderen – das kann man künftig wählen. Ein Dankeschön an dieser Stelle an alle, die das ermöglichen, egal ob am Rechner, vor den Mikrophonen oder hinter der Kamera. Euer Einsatz ist so segensreich für viele! Gott segne euch dafür.
Dass Ihnen auch in dieser Woche immer wieder ein Mut machendes oder tröstendes Lied in den Sinn kommt, wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Thomas Ebinger